Iglu & Timss und Bildungshaushalt Sachsen

Veröffentlicht in Schule

Gestern wurden erneut Studien vorgestellt, welche die Leistungen von Grundschülern der vierten Klasse in Deutschland im Vergleich zu anderen Staaten aufzeigen. Insbesondere fällt auf, das es wenige Spitzenleistungen gibt, dafür aber einen relativ hohen Anteil an leistungsschwachen Schülern und das Kinder aufgrund Ihrer sozialen Herkunft benachteiligt sind. Zudem sind die Leistungen im Vergleich zu 2001 (PISA-Schock) tendenziell unverändert. Die Ergebnisse der Studie sind lesenswert, allerdings auch etwas umfangreich. Nachfolgend der Versuch einer Zusammenfassung mit Fokus auf den lokalen Rahmenbedingungen.

Lesen

  • Im Lesen erreichen die Schülerinnen und Schüler in Deutschland einen Leistungsmittelwert von 541 Punkten und befinden sich damit knapp im oberen Drittel der Rangreihe (internationaler Mittelwert 512 Punkte, Mittelwert der EU-Staaten 534 Punkte, OECD-Staaten 538 Punkte), insbesondere im Vergleich zur OECD Gruppe wird klar, dass es keine signifikanten Unterschiede zum Durchschnitt gibt
  • 12 Staaten erreichen signifikant bessere Testleistungen als Deutschland. Darunter sind folgende EU-Staaten: Finnland, Nordirland, Dänemark, Irland und England, die Leistungsstreuung ist in Deutschland gering
  • Im Vergleich der Erhebungen von 2001, 2006 und 2011 zeigt sich, dass der positive Trend von 2001 zu 2006 beim Test 2011 nicht fortgesetzt werden konnte und sich die Leistungen wieder auf dem Niveau von 2001 befinden
  • In Deutschland haben 15,4 Prozent der Schülerinnen und Schüler ein nicht ausreichendes Leistungsniveau im Lesen und es muss davon ausgegangen werden, dass daraus erhebliche Schwierigkeiten beim Lernen in allen Fächern in den Folgeschulen resultieren
  • Knapp 10 Prozent der Schülerinnen und Schüler erreichen jedoch die höchste Kompetenzstufe im Lesen, in fünf andere Teilnehmerstaaten erzielten deutlich größere Anteile Spitzenleistungen
  • In Deutschland geben 11,3 Prozent der Schülerinnen und Schüler an, nie oder fast nie außerhalb der Schule zu ihrem Vergnügen zu lesen (nur sieben Teilnehmerstaaten weisen einen bedeutsam geringeren Anteil an entsprechenden Schülerinnen und Schülern auf)
  • Mädchen schneiden beim Lesen (in allen Teilnehmerstaaten) deutlich besser ab als Jungen

Mathe

  • Der Leistungsmittelwert in Mathe von 528 Punkten liegt deutlich über dem internationalen (491), dem Wert der EU-Staaten (519) und etwas über dem der OECD-Staaten
  • 13 Staaten erzielen signifikant bessere Leistungen, darunter viele der Staaten, die auch schon beim Lesen vorn liegen (Nordirland, Belgien (Flämischer Teil), Finnland, England, die Niederlande und Dänemark), auch in Mathe ist die Leistungsstreuung gering
  • Über 19 Prozent der Viertklässler verfügen allenfalls über ein elementares mathematisches Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten und werden auch wieder erhebliche Schwierigkeiten am Gymnasium bzw. der Realschule haben
  • Nur 5 Prozent der Schülerinnen und Schüler verfügen über mathematische Fähigkeiten und Fertigkeiten auf einem fortgeschrittenem Leistungsniveau (können komplexe Probleme lösen), in acht anderen Teilnehmerstaaten sieht es deutlich besser aus
  • Jungen sind in Deutschland besser in Mathe als Mädchen

Naturwissenschaften

  • 22 Prozent der Schüler verfügen lediglich über Anfangswissen und haben Schwierigkeiten dieses anzuwenden, auch hier ist wieder mit erheblichen Problemen ab Klasse 5 zu rechnen
  • Knapp über 7 Prozent der Schülerinnen und Schüler sind in der Lage naturwissenschaftliche Zusammenhänge zu verstehen und zu begründen sowie einfache Versuchsanordnungen zu interpretieren und Schlussfolgerungen zu ziehen
  • In fünf anderen Ländern gibt es größere Anteile an Schülern in der Spitzengruppe
  • Jungen haben insbesondere in Deutschland einen signifikanten Leistungsvorsprung in den Naturwissenschaften

Allgemein

  • ein Großteil der Grundschulkinder in Deutschland ist dem Lesen, der Mathematik und dem Fach Sachunterricht gegenüber positiv eingestellt, jedoch hat ca. jedes zehnte Kind (Lesen und Sachunterricht) bzw. jedes sechste Kind (Mathe) eine niedrige positive Grundeinstellung
  • In Deutschland gibt es eine enge Kopplung zwischen Kompetenz und sozialer Herkunft (Kinder von Familien mit mehr als 100 Büchern haben einen Lernvorsprung von ca. einem Jahr), in nur wenigen Ländern gibt es einen noch höheren Zusammenhang zwischen Herkunft und Schulleistungen
  • Sowohl die Schullaufbahnpräferenz der Eltern als auch die der Lehrkräfte unterscheiden sich deutlich je nach sozialer Lage der Schülerfamilien. Beispielsweise ist bei gleicher Leistung und gleichen kognitiven Fähigkeiten die Chance auf eine Gymnasialpräferenz der Lehrkräfte für Kinder, deren Eltern der oberen Dienstklasse zuzuordnen sind, 3,41 mal so hoch wie für Kinder von Facharbeitern. An dieser sozialen Schieflage hat sich seit 2001 nichts verändert. Während beispielsweise Kinder aus der oberen Dienstklasse bereits mit einer Lesekompetenz von 530 Punkten gute Chancen auf eine Gymnasialpräferenz ihrer Lehrkräfte haben, benötigen Kinder von un- und angelernten Arbeitern 609 Punkte. In Mathematik und Naturwissenschaften sind die Unterschiede ebenso eklatant
  • Mit lediglich 0,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts liegen die Ausgaben für Grundschulen in Deutschland deutlich unter dem Mittelwert der berichteten EU-Staaten (1,2 %)
  • Auffällig ist, dass an allen Schultypen deutlich mehr Angebote für leistungsschwache Schülerinnen und Schüler zur Verfügung gestellt werden als für leistungsstarke Viertklässlerinnen und Viertklässler
  • Lediglich 1,5 Prozent aller Schülerinnen und Schüler erreichen sowohl im Lesen als auch in Mathematik und in den Naturwissenschaften Leistungen auf dem Niveau der höchsten Kompetenzstufe. Nur 7,8 Prozent erreichen zumindest eine mittlere Kompetenzstufe in allen 3 Bereichen

Bildungshaushalt Sachsen
Die sächsische Kultusministerin Brunhild Kurth hat parallel dazu den Bildungshaushalt für die kommenden beiden Jahre vorgestellt. Eine der erfreulichen Kernaussagen:Der Abbau bei den Lehrerstellen ist gestoppt. Alle aus dem Dienst scheidenden Lehrer, auch die, die sich in der Ruhephase der Altersteilzeit befinden, können wir ersetzen. Zusätzlich schaffen wir 510 neue Lehrerstellen in den nächsten zwei Jahren. Pro Schuljahr können wir somit insgesamt 600 bis 700 neue junge Lehrer einstellen.

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Was es noch im Chemnitzer Ortsteil Klaffenbach gibt: